In der Neuen Galerie in der Wünsdorfer Bücherstadt sind seit anfang September Werke des Grafikers Gerhard Frank Stiehler-Lichtenberg zu sehen.
Neben Aktstudien, welche auf originalen Tafeln der Berliner U-Bahnlinie 7 abgebildet sind, Aquarellen und Federzeichnungen zeigt der 54-Jährige auch Computergrafiken.
Die Begrifflichkeit „Computergrafiken“ mag er jedoch überhaupt nicht, weshalb er der mit dem Computer geschaffenen Grafik einen eigenen Namen gab. Die Dualgrafie.
Am Sonntagvormittag lud er Interessierte zu einem Galeriegespräch ein, um Fragen
rund um seinen erschaffenen Begriff Dualgrafie zu erötern. Vor allem Künstlerkollegen waren gekommen, die sich gern auf ein Streitgespräch mit Herrn Stiehler-Lichtenberg einließen. Diskutiert wurde unter anderem, ob Grafiken welche am Computer entstanden Kunst sind und eine manuelle Authentizität besitzen.
Während die Konservativen befürchten, dass die Computergrafik zur wertlosen Massenware verkommt, verteidigt Frank Stiehler-Lichtenberg die Dualgrafie als neue Kunstform in einem neuen Zeitalter. Man könne diese nicht von vornherein ablehnen, „sondern anerkennen sollte, so wie Lithografie, Kupferstich und Radierung“.
Dualgrafie ist eine grafische Technik, so lautet Stiehlers Definition. „Sie mit den Begriffen Computergrafik oder Digitaldruck zu versehen, wäre oberflächlich, ja sogar falsch“, stellt er fest und erklärt: „Grafie steht für die grafische Vervielfältigungstechnik; dual für den Hinweis auf die rechnergestützte digitale Verarbeitungsweise in der Druckformenherstellung und die Kausalität zwischen den analog realen und den digital virtuellen Arbeitsbereichen.“
Gerhard Frank Stiehler-Lichtenberg hat sich auf die neue Technik eingelassen und experimentiert mit dieser. Er wirbt für dieses neue Handwerkszeug welches er nutzt und sagt: „Was für den Kupferstecher die Nadel, den Radierer das Messer ist, ist für mich die Maus.“ Entscheidend ist nicht, welches Werkzeug man benutzt, sondern was im Kopf des Künstlers entsteht.
Er kann auch das Argument nicht nachvollziehen, Rechnerarbeiten seien seelenlos, denn „die Seele kommt doch vom Künstler“. Weiter sagt er, dass deshalb nicht nur in der alten Druckkunst eine manuelle Authentizität stecke.
Viele seiner Künstlerkollegen können sich mit dem Computer in der Kunst nicht anfreunden und entgegnen, dass die Menschen das Digitale sicher irgendwann satt haben und wieder auf das Handgemachte zurückkommen. Stiehler-Lichtenberg aber hofft, dass neben dem traditionellen Buchdruck ein Platz für die computergestützte Grafik gefunden wird. Schließlich solle die mit dem Computer geschaffene Technik integriert, und nicht die althergebrachte Drucktechnik ersetzt werden.
Die Ausstellung der Dualgrafie von Gerhard Frank Stiehler-Lichtenberg kann man noch bis zum 26. Oktober anschauen.
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