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Kategorie: Manifeste

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Dieser Beitrag wurde von sowelu raido am 12.10.2007 verfasst,
und wurde aktuell 1313mal gelesen.
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Titel: Gedanken über Kunst und Leben

 
Zu mir kommen - bei mir sein - bei mir bleiben

Was sagt eine Vita über einen Künstler?

In meinen Augen nicht viel, denn jeder Mensch, der sich der Kunst öffnet und verpflichtet, stellt sich damit auch an den Rand unserer modernen, leistungsorientierten Gesellschaft. Im Sinne von "ein wahrhaft moralischer Mensch kann nicht gesellschaftsfähig sein".

Bei Verfassen der Vita aber, wird der Boden unter ihm wieder schwammig, fühlt er seine Füße magnetisch gezogen vom Establishment, das da mit erhobenem Zeigefinger fragt: Wer bist Du? Was kannst Du? Wer gibt Dir das Recht? Was hast Du geleistet im Lichte unserer Öffentlichkeit? Haben wir Dich schon legitimiert, selbst zu denken, selbst zu fragen, selbst zu sein?

Ich versuche konsequent zu sein. In meiner Kunst, in meinem Leben.
Ich diene der Quelle, die uns alle speist und über alle Zeiten und Gesellschaften erhaben ist. Das ist nicht leicht, war nie leicht und betrifft und betraf sehr viele Kunstschaffende aller Epochen, ist also eigentlich nichts Besonderes, nichts völlig subjektiv Egozentrisches.
In diesem Sinne bin ich naiv im bestmöglichen Wortsinne.
Ich bin Dilettant, denn ich genieße, was ich tue.
Und Amateur, denn ich liebe es von ganzem Herzen.
Ich mache Kunst, weil es für mich keine Alternative gibt, dieses re-ligio, diese Philosophie aktiv zu leben.
Ich bin Werkzeug, nicht Schöpfer.

Das Gesagte bedingt naturgemäß Konfliktherde mit dem, was man Gesellschaft nennt. Ja, auch mit dem Kunstbetrieb, verständlicherweise.

Stichwort Galerien und Kunstkritik:
Ich glaube daran, dass es Galeristen gibt, die vom Wesen her keine "Zuhälterei" betreiben - getroffen habe ich sie noch nicht. Sollte sich aber jemand angesprochen fühlen, bitte ich herzlichst um Kontaktaufnahme.
Ich glaube ferner daran, dass es Kunstkritiker gibt, die nicht nur deshalb die Moderne bevorzugen, weil sie so viel Raum für Interpretationen läßt und damit Platz für die eigene Selbstdarstellung, die eigene Profilneurose. Eine Einstellung, die den Realismus und Naturalismus ob ihrer "Allgemeinverständlichkeit" ablehnen muß.
Als gelernte Redakteurin und im Zuge dessen auch Kommentatorin von Kunstausstellungen, weiß ich, wovon ich spreche. Ich kenne beide Seiten: die des Sektglas- und Notizblockbewaffneten Schreiberlings und die des aus- (ja, vielfach bloß-)gestellten Künstlers zur Vernissage. Sowohl die eine als auch die andere Seite der "Kunst im öffentlichen-gesellschaftlichen Raum" hat ihre Chancen, aber auch Herausforderungen und Fallstricke in puncto Menschenwürde.

Stichwort Kunst und Markt:
Eine Welt, in der Dinge einen Preis haben, ist mir (als bewußt naivem Menschen) suspekt. Um das eben gesagte zu spezifizieren: Dinge, die man liebt, beispielsweise Tiere und auch Kunst als Originale (selbstredend auch alle lebenserhaltenden Güter wie Brot, Salz, Wasser, saubere Luft). Eine Gesellschaft (insbesondere die gut situierten Industrienationen)müßte in der Lage sein, ihre Ressourcen ethisch so zu verwalten, dass der Austausch dieser "Güter" ausserhalb marktwirtschaftlicher Strukturen stattfinden kann. Jedes Tier, jedes Bild, also jedes Original ist für jemanden bestimmt - für den, der er es von Herzen liebt. Er sollte es bekommen. Haben, also besitzen, wird er es ohnehin nie. Aber mit ihm leben, mit ihm sein und dadurch sein eigenes Sein und das des anderen bestmöglich entfalten und mehren.Kurz: vom Haben zum Sein als gelebte Philosophie und tätige Liebe.

Bei allem Idealismus - auch ich bin Mensch, brauche Wohnung und Brot, verkaufe meine Bilder, meine Bücher, lass mich für Lesungen entlohnen. Setze sogar mein copyright auf meine Werke, deren Schöpfer nicht ich, sondern nur Werkzeug bin. Aber ich tue es im Bewußtsein des Widerspruchs, bemerke mein Irren im Tun und erfahre dadurch täglich die Diskrepanz zwischen Wesentlichem und sog. Realität. Und dieser Widerspruch fordert mich, fördert mich und weist mir den Weg, meinen Weg.
Ich erlaube mir, Idealist zu sein.
Ich habe mich dafür entschieden, Künstler zu sein - in guten wie in schlechten Tagen.
Ich nehme mir die Freiheit, ich selbst zu sein und zu werden.
Nicht mehr und nicht weniger.

Denn - um den Bogen schlußendlich zu spannen - wenn ich heile, heilt ein Teil der Gesellschaft...
 

 

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hypsuccess  

hypsuccess
Datum: 16.10.2007 um 03:25 Uhr


In diesem Beitrag kommt eine Lebenseinstellung (und eine Kunstansicht)zum Tragen, von welcher ich mir mehr in dieser unserer so oberflächlich gewordenen Zeit wünschen würde, wohl wissend, dass die Reise in Wahrheit wohl eher doch immer noch in die entgegengesetzte Richtung geht.

Hoffentlich ist die hier gezeigte Einstellung nicht nur verbal und populistisch, sondern auch grundsätzlich so vorhanden.

Denn, wenn man den verbal, Beziehungsweise schriftlich abgegebenen Meinungen glauben dürfte, kehrt ja auch die "Gegenständliche Kunst" schon seit Jahrzehnten auf breiten Schwingen in unsere "REALITÄT" zurück, nur............ in dieser Realität verweilt sie, mitsamt ihrer Wertschätzung doch eher weiter in ihrer tiefen Versenkung! Wahrscheinlich, weil sie den meisten Kunstkritikern und anderen Kunstschwätzern und Selbstdarstellern die Plattform, wenn nicht gar ihre Daseinsberechtigung entziehen würde.

Ein Beitrag, der mich bewegt (und betroffen gemacht) hat, wie schon lange keiner.

sowelu raido  

sowelu raido
Datum: 17.10.2007 um 09:14 Uhr


Da ich leider keine Möglichkeit der internen Mitteilung für Mitglieder gefunden habe, möchte ich kurz auf das Gesagte von hypsuccess eingehen.
Ich danke für das echte Verständnis und die Offenheit. Ich darf versichern, dass mein Beitrag kein Lippenbekenntnis, sondern seit Jahren gelebte Wirklichkeit ist. Und es ist mir trotzdem nicht leicht gefallen, ihn - und damit mein Inneres - so öffentlich zur Diskussion zu stellen. Etwas im Stillen tun ist noch einmal etwas anderes, als es zu tun UND ein Credo zu verfassen und sich damit der Kritik auszusetzen.
Meine eigene Betroffenheit und die der Künstler, die ich bisher kennengelernt habe, hat mir den Mut gegeben.
Und ich danke dafür, dass er betroffen und bewegt hat - mehr konnte und kann ich nicht wünschen.

 


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